Hospizkultur und Palliativversorgung in stationären Einrichtungen

26.10.2018 09:00

Bericht vom Fachtag für Pflegekräfte

„Wo wären Sie heute, wenn Sie nicht an dieser Tagung teilnehmen würden?“ Mit dieser Frage lud Martin Alsheimer, Dipl.-Pädagoge, Lehrer, Diplom-Trauerberater, Socialmanager, Systemischer Berater (MISW), Autor und Leiter der Hospiz Akademie der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste Nürnberg die Teilnehmenden des Hospizfachtages zu einer kurzen Vorstellungsrunde ein.

Die Antworten ergaben umgehend einen Überblick über die Arbeitsfelder der Anwesenden: Altenpflegeeinrichtungen, SAPV, Hospizverein, Einrichtung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. An unterschiedlichen Einsatzorten und in verschiedenen Funktionen tätig, aber verbunden durch ein gemeinsames Ziel, waren sechzehn Mitarbeitende am 26.10.2018 im Alten- und Pflegeheim des Hopsitalfonds in Montabaur auf Einladung des Hospizvereins Westerwald zusammengekommen: Ihnen allen liegt eine Verbesserung der Palliativ-Versorgung in ihren Einrichtungen am Herzen.

Die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen fordert hierzu eindeutig:

(…) In stationären Pflegeeinrichtungen ist die Entwicklung von Hospizkultur und Palliative Care als integraler Bestandteil der Organisationsentwicklung notwendig. Instrumente und Verfahren der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements sind – auch zur Verbesserung der Transparenz über die Qualität des Versorgungsgeschehens – weiter zu entwickeln“ (DGP; DHPV, BÄK 2010: 12). 

Souverän und kompetent führte Dozent Martin Alsheimer durch die Themen des Fachtages. Mit Beispielen aus der Praxis, Rollenspielen, Möglichkeiten zur Diskussion und gelungenen grafischen Darstellungen sorgte er für eine transparente Aufbereitung der Inhalte.

Ausgehend von der Überlegung, wie ein hospizlich ausgerichtetes Pflegeheim aussehen kann, setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Themen wie Rechtslage / Rechtspraxis, Hilfen zu Entscheidungsfindung und Ermittlung des Willens, Therapieziele am Lebensende, Sterbehilfe, Vorsorgeplanung, Patientenverfügung, Gesprächsstrukturierung und Gestaltung von Vernetzung auseinander. Nicht zuletzt fand auch das Überdenken der eigenen Grundhaltung, der persönlichen Ansprüche und Ressourcen ausreichend Raum.              

„Haltung lässt sich als zentrales Fundament menschlichen Lebens beschreiben, das unser Handeln bestimmt. Haltung ist besonders entscheidend für den Umgang mit dem Sterben.“ (Kern, M., Müller, M., Aurnhammer, K. 2002: 28)

Die Rückmeldungen am Ende zeigten deutlich, dass der Kurstag als Bereicherung empfunden wurde und die Impulse gewinnbringende Anstöße setzen konnten.

Fazit: Hospizlich ausgerichtete Wohn- und Pflegeheime brauchen Kommunikation, Vernetzung und Kooperation. Aber sie brauchen auch und vor allem Menschen, Mitarbeitende, Pflegekräfte, Leitungen, Verantwortliche, die die Bedeutung und den Wert einer gelebten Palliativkultur in ihren Häusern erkennen, umsetzen wollen und dabei unvoreingenommen die Unterstützung der ambulanten und spezialisierten Palliativdienste in Anspruch nehmen.        

Der vom Hospizverein Westerwald initiierte Fachtag mit Martin Alsheimer trug wesentlich dazu bei, diese Möglichkeiten bewusst zu machen und Anregungen zu geben.

- von Michaela Abresch, Teilnehmerin-

 

 

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